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Andreas und Michaela – Wir trauen uns gemeinsam auf den Weg

Schutzengel

Andreas, 21. Februar 2007

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Hat Michaelas Schutzengel versagt? Gibt es überhaupt Schutzengel? Und wenn ja, wo war dieser Schutzengel vor drei Monaten? Das sind Fragen, auf die ich keine Antworten habe, und die sich alle um die eine große Frage drehen: Warum hat Gott das alles zugelassen? Mein Kopf weiß, dass es darauf keine Antwort gibt und dass diese Frage letztlich so sinnlos ist, wie der tödliche Verkehrsunfall selbst es war. Aber mein Herz will Antworten! Wo warst du?

Bild: Bronzeengel

Ich bin dein Schutzengel,
eins mit dir von Geburt bis zum Tod.
Ich bin bei dir, in dir, neben dir, über dir, hinter dir.
Ich bin, wer du sein sollst und im Innersten sein willst.
Ich trauere mit dir und weine mit dir.
Ich freue mich mit dir und liebe mit dir.

Ich lebe mit dir, ich sterbe mit dir.

Ich schütze dich, ich kämpfe für dich, ich leite dich.
Wann immer du mich rufst, bin ich schon bei dir,
und ich helfe dir auch dann, wenn du es nicht weißt.
Meine Flügel umhüllen dich wie ein leuchtendes Kleid.

Ich bin Gottes Segen. Immer bei dir.

(Hildegunde Wöller, geringfügig von mir angepasst)

In meiner Hand ist oft ein Engel, vielleicht ist er selbst kein Schutzengel, aber im wahrsten Sinne des Wortes ein handfestes Symbol für Gottes Segen. Dieser Engel bedeutet mir sehr viel, er wurde vom Bildhauer Christoph Fischbach aus Bronze geschaffen. Mein Vater, der im Sommer 2002 gestorben ist, hält einen dieser Bronzeengel in seinen Händen. Michaela trägt nun unsere beiden selbstgeschmiedeten Verlobungsringe und hält sogar zwei Bronzeengel in ihren Händen, einen von ihrer Mutter, einen von mir. Der Bronzeengel ist für mich vor allem ein Symbol des Lebens. Ich habe den wichtigsten Menschen, die mir in dieser schrecklichen Zeit und doch mitten im Leben so wertvoll sind, jeweils einen dieser Engel geschenkt, verbunden mit der Zusage: »Ich geb Dir einen Engel mit.«

Vielleicht wird mein Herz niemals eine Antwort bekommen, aber mit dem Bronzeengel – eben doch dem Schutzengel – in meiner Hand spüre ich: Gottes Segen ist da, das ganze Leben lang und darüber hinaus.

Andere Zeiten Verein, »Ich geb Dir einen Engel mit«: Externer Link www.anderezeiten.de

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Auf der Suche nach dem Licht

Andreas, 10. Februar 2007

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Bild: Bharati – Auf der Suche nach dem Licht

Zu Weihnachten habe ich Petra den Besuch des »größten Bühnenspektakels der Gegenwart« geschenkt. Gestern Abend haben wir uns ganz gespannt auf den Weg zum Festspielhaus nach Baden-Baden gemacht, zu »Bharati – Auf der Suche nach dem Licht«. Ich gebe es zu: es bestand eine gewisse Kitschgefahr, der wir aber durch das jahrelange Anschauen von Rosamunde-Pilcher-Filmen durchaus gewachsen waren. Was uns dann tatsächlich erwartet hat, war ein großartiges Erlebnis von Farben, Klängen und Tänzen, weitab von jedem unfreiwilligen Kitsch.

Auf den zwei einzigen Weihnachtskarten, die ich letztes Jahr, vier Wochen nach Michaelas Tod, geschrieben habe, stand ein Text aus dem Lied »In der Mitte der Nacht«:

Ich will Licht sehn
in der Dunkelheit.
Die richtigen Wege finden
in der Einsamkeit.

Gestern konnte ich einfach mal einen Abend lang meine Seele baumeln lassen und mich zusammen mit Petra über eine hervorragende und bewegende Show freuen. Dafür bin ich von Herzen dankbar. Und vielleicht habe ich dabei ja auch ein kleines Licht in mir selbst wiedergefunden?

Bharati – Auf der Suche nach dem Licht: Externer Link www.bharatitheshow.com

So muss der wahre Friede sein

Andreas, 5. Februar 2007

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In der zweiten Woche nach Michaelas Tod gab es eine Andacht für Michaela. Aus dem Schweigen heraus haben wir Lieder gesungen, ich habe dazu Gitarre gespielt. Im Refrain von »Wie ein Fest nach langer Trauer« heißt es:

So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein.
So ist Versöhnung, so ist Vergeben und Verzeihn.

Bis heute, fast zehn Wochen nach dieser Andacht, denke ich über dieses Lied nach: Meinen wahren Frieden kann ich nur finden, wenn ich vergebe. Es bringt nichts, die Person, die den tödlichen Unfall verursacht hat, zu hassen oder gar zu verfluchen. Und ich danke Gott, dass ich es bisher, trotz allem Schmerz und aller Wut, geschafft habe, diesen Hass von meiner Trauer um Michaela fernzuhalten. In diesen Tagen lasse ich der Person, die an Michaelas Tod schuld ist, folgende Zeilen per Post zukommen:

Vielleicht ist es ungewöhnlich, dass ich mich bei Ihnen melde, denn eigentlich hätte ich erwartet, dass Sie diesen Schritt tun. Ich bin der Ehemann von Michaela Bächle, die am 21. November durch Ihre Schuld aus dem Leben gerissen wurde. Unser gemeinsamer Weg wurde auf eine Art zerstört, die ich kaum ertragen kann. Meine Welt, meine Lebensfreude, meine Zukunft, alles hat sein Ende gefunden.

Und doch erkenne ich, dass ich wahren Frieden nur durch Vergebung finden kann. Ich möchte Ihnen ganz ehrlich versichern, dass ich Ihnen vergebe und verzeihe, und hoffe, dass Sie ebenso den wahren Frieden finden werden.

Ich mache das nicht, weil ich ein guter Mensch bin oder mich vielleicht mit einem Verhalten rühmen möchte, das nur aufgesetzt ist. Ich mache das, weil ich überleben will und dafür meinen wahren Frieden wieder finden muss.

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Wie im Himmel

Andreas, 22. Januar 2007

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Bild: Engel

Der Film Externer Link »Wie im Himmel« war unser letzter gemeinsamer Film. Michaela und ich haben ihn zusammen mit Markus und Petra am Wochenende der Hochzeitsnacharbeiten angesehen. Die Geschichte und vor allem die Filmmusik haben uns sehr bewegt und werden mich mein ganzes Leben lang weiter bewegen. »Gabrielas Song« haben Michaela und ich wenige Minuten vor ihrem Tod gemeinsam im Auto auf dem Weg in die Firma angehört.

In »Lenas Song«, der zum Zeitpunkt des Unfalls und des Todes bei Michaela im Auto lief, heißt es:

Night will fall, stars will shine.
And the moon will smile to ease your mind.
Questions why, life’s so strange.
Watch me fly, I’ll take you there to see.

So, fly away, hold my hand.
Feel the wind, take the sky.
Love will find, find a way,
I believe in you, fly with me.

Michaela, ich hoffe so sehr, dass Du den Himmel erreicht hast.

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Leben

Andreas, 3. Januar 2007

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Nein, das Leben geht nicht weiter. Und die Zeit heilt nicht alle Wunden. Sechs Wochen nach Michaelas Tod kann ich keinen Trost finden und es verletzt mich zutiefst, wenn manche Leute es mit diesen abgedroschenen und gedankenlosen Phrasen versuchen.

In der Jahreslosung für das neue Jahr hat Gott da etwas ganz anderes zu sagen:

Siehe, ich will ein Neues schaffen.
Jetzt wächst es auf.
Erkennt ihr es denn nicht?
(Jesaja 43,19a)

Nach dem ersten Hören möchte ich Gott anbrüllen: »Du schaffst etwas Neues? Du zerstörst! Du hast mir alles genommen, was ich hatte und war!« Aber nach der anfänglichen Aufregung spüre ich dann vielleicht doch, wie ganz klein und vorsichtig etwas Neues aus meiner völlig zerstörten Welt, Lebensfreude und Zukunft heraus entstehen kann: neues Vertrauen, neue Freundschaft, neues Licht. Ich danke dir, Gott.

Nein, das Leben geht nicht weiter. Aber ich hoffe, dass Gott etwas Neues schafft. Jetzt wächst es auf. Erkenne ich es?

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